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behind the scenery - of honesty forbidden


Erscheinungsjahr: 2001
Label: grind syndicate media
Tracks: 10
Spielzeit: 52:14
Genre: metal
Subgenre: melodic death metal
behindthescenery.jpg
Bewertung: 8/10

rating

"Prologue", ein schönes Klavier-Intro (eingespielt von Johannes "Amadeus" Biedert), tönt aus den Boxen. Das stimmungsvolle Intro macht schon mal eindeutig Lust auf mehr. Nach Zweieinhalb kurzweiligen Minuten bricht dann der Sturm in Form von "Kneel To Pray" los: Eine kurze Gitarrenmelodie, die auch Bach auf seiner Orgel nicht besser hinbekommen hätte (wohl aber Mambo Kurt), ein schneller Schlagzeug-Beat und schon fühlt man sich unweigerlich an Schweden erinnert. Melodischer Schweden-Tod. So würden es sicherlich viele Hörer umschreiben. Aber man täte Behind The Scenery Unrecht, denn eigentlich sind sie viel mehr als "nur" melodischer Schweden-Tod. Denn sie haben etwas, was die meisten Bands des Genres nicht haben: Genialität. Und schon haben sie ihre erste kleine rhythmische Gemeinheit in den Opener "Kneel To Pray" eingebaut. Wahrscheinlich um zu zeigen, dass man mit Ur-Bands wie At The Gates mehr gemeinsam hat, als mit den Zöglingen In Flames, Sacrilege oder wie sie noch alle heißen. Gut so. Damit verkaufen sich die 6 Göppinger schon mal nicht unter Wert. Der nächste Song "Another Stranger" weckt dann schon teilweise mit Maiden-Melodien mein Interesse, um den zartbeseiteten Hörer aber gleich mit ´ner Prise Death-Metal einen ordentliche Kinnhaken zu verpassen. Wir merken uns: Sie können. Sie können sowohl fies und gemein sein, alles in Grund und Boden prügeln, aber sie können auch lieblich und zart sein, des Hörers Ohren streicheln um ihn im nächsten Moment taub zu machen. Doch die Melodie überwiegt. Musikalisch Zartbesaitete können weiterlesen. Das lange "Pierce The Eyes" schuckelt sich dann durch die Boxen, um in einem wahren Death-Metal Inferno von unsäglicher Schönheit und Brutalität zu enden. Ganz Groß. "Under A Frozen Sun", ein Melodie-Göttergabe, bei der viele klassische Komponisten vor Neid erblassen würden. Bei "Innermost Emotions" bekommt dann jeder Musiker mal die Chance zu zeigen, was er wirklich drauf hat, außer Melodien runtergurken. Technische Finessen und Appetithäppchen en masse, gekreuzt mit einer Melodie in der Bridge, die wahrlich schwer von dieser trostlosen Welt sein kann. "No Sinners No Saints" wird das ganze Spiel sogar noch perfektioniert: Noch Schneller, Noch Besser und gar noch Melodischer. Ein Wunder? Nein, eher Können. "Compressed Individuality" kehrt die balladeske Seite der Schwaben raus. Auf das Akustik-Spiel wären auch so große Gitarristen wie Django Reinhardt stolz gewesen und mein Schlagzeuglehrer von dem lieblichen, vor allem tight und technischen Spiel des überragenden Schlagzeugers. Das nächste Stück will gar gar nicht zum Titel passen: "Pure Evil" ist eher wie ganze CD schön anstatt böse, auch wenn hier das Gaspedal durchgedrückt wird und dann in einem elegischen Refrain aufgelöst wird. Gegen Ende von "Pure Evil" fällt dann ein weiterer Vorteil auf: Man vernimmt das erste mal in den knapp 50 min eine Kindermelodie. Das diese Fehlen bemerkt man erst jetzt. Sprich:
Blind Guardian-Fans lernen hier erstmals kennen was gute Melodien sind. Die letzten 7 Minuten brechen an, das Outro erklingt. Wiederum zeigt sich auch hier der kleine Amadeus dafür zuständig. Ein wunderschönes Klassisches Klavier-Outro, dass von einem akustischen Gitarren-Stück eingeleitet wird. Da fällt mir doch glatt ein, dass ich Amadeus vor nicht so langer Zeit am Schlagzeug bewundern durfte. Wahrlich ein talentierter Mann...
Doch wer ist diese Band überhaupt? Nun, da sollte man ein wenig weiter ausholen: Irgendwann Mitte der Neunziger Jahre beschließt Gitarrist Thomas Lindberg Musik zu machen. Dazu holt er sich noch andere Musiker: Uwe Kurz setzt sich ans Schlagzeug, sein Bruder Andi belegt den Bass, Holger Speidel schnappt sich das Mikro und Till Van Der List übernimmt die zweite Gitarre. In dieser Besetzung fühlt man sich stark und so spielen die fünf jungen Musiker 1997 ihr Debüt "Nocturnal Beauty Of A Dying Land" ein. Irgendwann 1999 wird dann sogar eine Plattenfirma auf die Lärmer aufmerksam und nimmt sie unter Vertrag. Mit GSM/Nuclear Blast im Rücken, wird die CD also wiederveröffentlicht. Doch die Jungs lagen natürlich nicht nur auf der faulen Haut und so können sie uns anno 2000 schon den Nachfolger "...Of Honesty Forbidden" präsentieren. Doch Line-Up-Technisch hat sich einiges getan:
Andy Kurz gab den Bass an Guntram Berger ab, Till Van der List machte sich aus dem Staub und schon gab es gleich Platz für 2 neue Gitarristen: Der blonde Simon und der schwarzhaarige Stefan wurden eingestellt, die Thomas unterstützen sollten, der von allen nur liebevoll "Mastermind" genannt wird. So touren sie also inklusive Triple-Axe-Attack durch die Lande um den unwürdigen Menschen ihre göttlichen Melodien zu präsentieren.

Doch weiter bei "...Of Honesty Forbidden": Die Jungens zelebrieren, egal, welchen Song man nimmt, genialen, schwedisch angefärbten Metal, der nur so vor genialen 2 stimmigen Gitarren-Melodien strotzt, mit der einen oder anderen technischen Finesse ausgestattet ist. Egal, ob man jetzt "Pierce The Eyes", das übergöttliche "Under A Frozen Sun" oder das schnelle "Pure Evil" als Beispiel anführt, jeder Song überzeugt hundertprozentig und braucht sich nicht hinter den ganz großen wie In Flames, Dark Tranquility oder gar Arch Enemy zu verstecken. Behind The Scenery gefallen mir persönlich sogar noch einen Tacken besser als oben genannte Bands, da ihre Melodien sogar noch einen Tick elegischer und majestätischer rüberkommen. Vor allem Live mit der Power der 3 Gitarren ein absolutes Erlebnis. Unvergesslich. Und dann heißt es, es gäbe keine Deutschen Nachwuchshoffnungen mehr... so eine wie Behind The Scenery werdet ihr so schnell nicht nochmal finden.

Seit der Veröffentlichung von "...Of Honesty Forbidden" ist natürlich auch schon ein wenig Zeit vergangen. Neue Songs wurden geschrieben und diese haben wenig mit dem alten Material zu tun: Sie gehen eher in die The Haunted-Richtung und kicken ordentlich ass, ohne die riesen Portion Melodie zu vernachlässigen. Der musikalischer Werdegang dieser talentierten jungen Band sollte unbedingt mitverfolgt werden, denn die eine oder andere Überraschung könnte da noch kommen...

Wer Probleme hat die CD im Laden zu finden, der soll sich entweder direkt an mich wenden oder einfach mal auf die Homepage der Band unter behind the scenery schauen und ladet euch am besten gleich den Opener "Kneel To Pray" runter... DANKE!!


Ähnlich:
At the Gates, In Flames, Sacrilege, Dark Tranquility, Arch Enemy

17.03.2005
kervorkian


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!