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beecher - this elegy, his autopsy


Erscheinungsjahr: 2005
Label: earache
Tracks: 13
Spielzeit: 42:16
Genre: metal
Subgenre: post rock grind metal
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Bewertung: 7/10

rating

Die heutige Zeit ist hektisch, modern und schnelllebig. Das kostbarste Gut neben Informationen ist die Zeit. Das war sie zwar schon immer, aber auch ihre Bedeutung variiert von Zeit zu Zeit. Beecher passen perfekt in diese Zeit. In unsere Zeit. Ihre Alben sind hektisch, modern und schnelllebig. Wie auch die Band selbst, denn sie ist inzwischen tot. Nach zwei Alben, einer EP und einer Bandgeschichte von gerade mal fünf Jahren warfen die Briten schon wieder das Handtuch. Obwohl alle Zeichen auf Sieg standen. Aber überraschend kam die Auflösung nicht unbedingt. Denn wer Alben wie "This Elegy, His Autopsy" aufnimmt, der kann nicht lange an der selben Stelle verharren. Es geht immer weiter. Immer weiter.

Manchmal scheint dieses Album das fehlende Puzzlestück zu sein. Die Verbindung zwischen den unübersichtlichen Wirrungen, die im härteren Musiksektor momentan vorherrschen. Metalcore, Post Rock, Vintage Rock´n´Roll, Mod und was auch immer. Beecher haben von allem etwas. Aber nicht mit dem Grinsen der Trendhopserei, sondern mit dem Vorschlaghammer der Unvereinbarkeit. "Function! Function" klingt wie Hot Hot Heat auf Koks und Grindcore. Das ist kein Mainstream. Und damit wird auch nicht reich. Zumindest nicht aus Kalkül.

Manchester. Die ehemalige Heimatstadt. Nur Briten können wirklich amerikanisch klingen. Beecher klingen nicht amerikanisch. Und doch so unverkennbar amerikanisch, dass man die Insel der Herkunft sofort erraten kann und muss. Es geht immer weiter. Beecher haben Spaß daran, alles zu machen, was ihnen Spaß macht. Deshalb folgt "This Elegy, His Autopsy" auch nur Konventionen, die es nicht gibt. Nicht nur "Function! Function" ist so ein Beispiel. Im Prinzip jeder Song. Der Drive von schwitzendem Rock'n`Rollern treibt dieses Album voran. Und doch bringt der Schweiß überall neue Blüten. Sei es die verfrickelte Hektik von Converge (Kurt Ballou produzierte) oder The Dillinger Escape Plan, purer Grindcore, nervenzerfetzende Noise-Parts, die von Aphex Twin ausgeklügelt sein könnten, Death Metal, Soundlandschaften frisch aus dem Neurosis-Camp, die Vielfalt von Between The Buried And Me oder das freche Grinsen des Studenten, dessen Lieblingswort "The" ist - alles hält "This Elegy, His Autopsy" zusammen. Und reißt es auseinander.

Für den Humor: "It´s Good Weather For Black Leather".

Die Melodien, die den Erstling "Breaking The Fourth Wall" teilweise in die falsche Richtung drängten, sind ausgemerzt. Sie weilen an einem besseren Ort. Gut, dass Beecher da, wo sie gerade sind, keine Musik machen. Rückkehr ist nicht zwingend positiv. Auch bei Sehnsucht nicht.

"Reach Up To The Gods" ist wirklich der Griff nach den Sternen. Hier regiert alles, was sich heute "post" nennt. Die Sphären von Godspeed You! Black Emperor kreuzen sich irgendwo mit entrückten Vocodersounds, bevor alles geschickt in sich zusammenfällt. Der Song macht immerhin fast ein Viertel der Spielzeit von "This Elegy, His Autopsy" aus. Viel zu viel, um ihn zu ignorieren. Und auch mehr als genug, um diesen Song, diesen Aufbau, diesen Platz in sein Herz zu schließen. Großbildleinwand ist Pflicht.

Aber generell gilt: Beecher haben genug zu bieten, um ihren Tod nicht tragisch, aber doch zumindest sehr traurig aussehen zu lassen. Zukunft ist Zeit und Zeit ist Zukunft. Die Engländer haben ihre Zukunft verschenkt, aber dennoch ihre Zeit genutzt. Mehr Informationen in so kurzer Zeit kann man nicht alle Tage vermitteln. Wir mittendrin. Während der Schlips sich schon vom Wasser verfärbt und man jeden einzelnen Fingerabdruck auf der glänzenden Oberfläche der Gitarre sehen kann.

"This Elegy, His Autopsy" ist ein Album für Jedermann, der niemand ist. Und einige Erfahrungen wert.


Ähnlich:
Snapcase, Hot Hot Heat, The Dillinger Escape Plan, Refused, Isis, Fugazi, Haste, Godspeed You! Black Emperor

29.04.2006
hlmr


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  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!