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bandaloop - aromatik


Erscheinungsjahr: 1999
Label: sony
Tracks: 13
Spielzeit: 61:37
Genre: beats/elektro
Subgenre: trip hop
bandaloop.jpg
Bewertung: 5/10

rating

Oha, eine Band aus der nächsten Umgebung, in diesem Fall aus Köln, erlangt überregionale Bekanntheit.
Deswegen fiel mir die Platte aber nicht in die Hände. Aufmerksam auf das Trio wurde ich, wie so oft, durch irgendeine größere Musikzeitschrift, die die CD als eine gute Mischung aus alternativen Klängen und Trip Hop umschrieb. Beherzt zugreifen ließ mich zuletzte das nette Artwork und die Spielzeit von über einer Stunde.

14 Songs sind über besagte Stunde verteilt, inklusive einem "hidden Track", der dementsprechend nicht auf der Rückseite gelistet ist.
Über Bands mit einer Frau als Sängerin wird ja oft gemunkelt, dass der sexuelle Aspekt in den Vordergrund gerückt wird (Männer lassen sich ja bekanntlich so zu einem wahren Kaufrausch verleiten). Hier verhält es sich nicht wirklich anders, immerhin zeigt das einzige grosse Bandfoto das zu sehen ist, hauptsächlich das gute Sängersweib Sarah Döring in kaum verhüllenden Kleidern. Sei's drum, hier geht's um die Musik und besonders offensichtlich wird auf obigem Klischee doch nicht herumgeritten.

Was bleibt ist die Musik und die Texte, wovon letztere aber nach kurzer Lektüre des Booklets unter "ferner liefen" abgelegt werden können. Sie tun nicht weh, handeln von großen und kleinen Gefühlen und spontanen Emotionsausbrüchen in zwischenmenschlichen Beziehungen. Alles schon zu oft gehört, und hier auch noch in viel zu seichter Sprache dargeboten. Immerhin kann man sich nicht über zu schlechtes Englisch beschweren.
Im Trip Hop ist die Stimme als zusätzliches Instrument sowieso wichtiger. Und Frau Döring ansprechend singen, klingt aber viel zu oft zu farblos, zu durchschnittlich und weit davon entfernt, an die Klasse einer Chanteuse wie Björk oder Beth Gibbons heranzureichen. So lässt sich nur selten erahnen, wie die Songs mit einer erstklassigen Sängerin am Mikro hätten klingen können. "Deeper" ist der einzige Songs auf dem Album, auf dem die Stimme zwar zu glatt klingt, der aber dank der ausgefeilten Gesangslinien gut funktioniert. Auch instrumental ist der Song einer der besten des Albums. Das Bett aus Samples, Streichern und verinzelten Gitarrentupfern ist zwar nichts besonderes, aber gut eingesetzt und es harmoniert perfekt mit dem Rest des Songs. Nur die Sprachsamples stören.

Mein Problem mit der Platte ist hauptsächlich der Anfang:
Hier finden sich nämlich die Songs an der Schnittstelle zwischen Rock und TripHop und Drum&Bass. Hört sich auf dem Papier gut an, aber das Experiment ist schiefgegangen. Nicht nur, dass der Anfang vom Opener "universe of love" gänzlich unpassend kommt und dazu noch klischeeüberladen ist (Intro-Sitar, Knopf 15 und die effektüberlastete Stimme), danach rumpeln unsägliche 08/15 Beats im Highspeed los und verursachen eine Hektik, die nicht zum tanzen, sondern zum wegrennen einlädt. Zu allem Überfluss verunstalten diese danach noch so einige Male den Chorus. Als ob das noch nicht genug Gründe für die Skiptaste wären, gibt es noch ein Hechelsample während des Refrains. Von einem Fettnäpfchen ins nächste. Das beste Beispiel, wie es NICHT klingen sollte.
Man muss ein wenig geduldig sein mit Bandaloop, immerhin ist das folgende "Extraordinary" ein Quasi-Hit der Band. Am Anfang fühlt man sich ins Ende der 80er zurückversetzt. Hier werden Erinnerungen an Depeche Mode wach, die die Stimme natürlich gänzlich zerstört.
Leider ist das Stück nur geringfügig besser gelungen als das erste, der Refrain ist letztlich nur scheußlich und macht es zum zweiten Flop der CD - umso schwerer wiegt das bei den Hitambitionen des Songs.
Erst bei "Names" hellt sich mein Gesicht auf, hier wird zum ersten Mal so etwas wie Atmosphäre aufgebaut, auch wenn die Keys sich zu sehr in den Vordergrund drängen. Aber die Vocals sind gut gelagert, sanft aber nicht belanglos und stärker verzweifelt klingend, als bei den ersten beiden Nummern. Dennoch fehlt dem Song alles Besondere und kratzt auch nur am Durchschnitt.
Der übrigens nicht das letzte Mal gestreift wurde, Stücke wie das mit aufdringlichen Beats (die wohl zum Text passen sollen, aber zu deplatziert wirken) bestückte "Swell", oder das daherplätschernde "single zone" und auch das recht lange "meteor" können nur von unten am Mittelmaß kratzen. Entweder gibt es tausendmal gehörte Ideen und Melodien, oder es will einfach nicht die Stimmung aufkommen, die soviele andere Bands des Genres auszeichnet.

Die weiteren Höhepunkte lassen dann auch bis kurz vor Schluss auf sich warten. Die drei letzten regulären Stücke sind zumindest partiell gut funktionierende Songs. Nicht mehr und nicht weniger, auch wenn bei "st. michel" der Kitsch zu penetrant ist. Aber macht nichts. Nicht hier, nicht in diesem Universum, da ist jede positive Stimmung willkommen. Und wenn dann die Trompete um die Streicher herumstreunt, dann öffnen sich Herzen. So lässt man sich diese Musik gefallen. Da ist auch die offensichtliche Nähe zu großen Chartstürmern kaum hinderlich - das Lied geht ins Ohr, wo es hingehört. Nur leider auch zu schnell wieder hinaus.
Das vorausgehende "move me" findet seine Offenbarung auch in den Streicherklängen, die das ansonsten etwas unberührende Lied organischer machen. Das abschliessende "mamoon" kommt zwar ohne diese aus, ist aber aufgrund des interessanten spannungsgeladenen Aufbaus nett. Später zu sehr verträumt, poppig und mit Technobeats unterlegt, was normalerweise gar nicht mein Fall ist, aber in diesem Song ok geht, weil gut gemacht.

Geklappt hat die Synthese aus harten und verträumten Klängen auch auf dieser CD nicht. Das einzige Lied was in dieser Hinsicht halbwegs zu gefallen weiß, ist "deeper", das mit Schrammelgitarren anfängt und sich zu einem halben Hit entwickelt. Zu einer gelungenen Symbiose fehlt aber noch einiges: Die Gitarren stehen hilflos da und wirken zu uninspiriert, um wirklich integriert zu werden.

Sonstige Experimente kommen auf der CD leider viel zu kurz. Die zweiten Portishead oder Massive Attack hat man bei der Kölner Band wirklich nicht zu erwarten. Lediglich in "water-roses" baut man an die Einstürzenden Neubauten erinnernde Geräusche an den Anfang - was gar nicht mal verkehrt klingt angesichts der Schöntönerei des restlichen Albums. Der Rest des Songs entwickelt sich aber zu einem monotonen Allerweltsbrei, weitere Ideen sucht man vergeblich. Auf Dauer bietet das Album also nicht viel, selbst die vier gelungenen Nummern (bis auf "deeper" eventuell) verblassen nach einer Zeit und hinterlassen nicht viel mehr als heiße Luft...


Ähnlich:
Morcheeba, Fruit, Madonna, Massive Attack, Sneaker Pimps, Lamb, Moloko, Air, Ruby, Republica, Hooverphonic, Tricky, Depeche Mode

17.03.2005
staivision


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!