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asian dub foundation - r.a.f.i.´s revenge


Erscheinungsjahr: 1997
Label: virgin
Tracks: 13
Spielzeit: 57:45
Genre: beats/elektro
Subgenre: dubrock
asiandubfoundation.jpg
Bewertung: 7/10

rating

Eine der wenigen verbliebenen Bands (nachdem Rage against the machine auch dahingeschieden sind) die wütende, auch auf politischer Ebene wirkende Musik machen.
Während R.A.T.M. dabei aber auf vielen Hochzeiten tanzten, gehen ADF fokussierter zu Werke - zum größten Teil richtet sich ihr politisches Engagement gegen die unberechtigte Unterdrückung von (asiatischen) Minderheiten in England, bzw. in Indien und Pakistan, den Ursprungsorten der Foundation.

Gegründet von Aniruddha Das (alias Dr. Das), der 1993 musikalische Workshops für asiatische Jugendliche in England anbot und dem zu dem Zeitpunkt nur 15-jährigen Deeder Zaman (Master D) traten sie bald unter dem Namen Asian Dub Foundation auf.
1995 wurde das Line-Up mit dem Gitarristen Steve Chandra Savales (Chandrasonic) und Sanjay Tailor (Sun-J) komplettiert und die Band nahm in dieser Besetzung ihr erstes Album "Facts and Fiction" (Nation Records) auf.
Dieses floppte in England, fand aber im Resteuropa mehr Aufmerksamkeit, woraufhin sich die Band dann auch in ihren Liveauftritten verstärkt zuwand und vor allem in Frankreich fand ihre Musik größeren Zuspruch.

Eben dort wurde 1997 das vorliegende Album R.A.F.I. (Real Areas for Investigators) von Virgin France veröffentlicht, welches auch als remasterte Neuauflage RAFI's Revenge mit veränderter Tracklist, anderem Cover und einem Bonustrack im Handel erhältlich ist.

Musikalisch war das Album Ende der Neunziger ein Meilenstein - nicht unähnlich dem 86er Beastie Boys Album.
Nie zuvor wurde Drum´n´Bass, Dub, Ambient, TripHop, Punk, Reggeae, Rock, HipHop und World-Music so gekonnt zu einem homogenen musikalischen Gemisch vermengt.
Hier vermischen sich gleich zu Beginn mit dem mitreissenden "Assassin" Tabla-Verhaue plus Indie-Gitarrenklängen, Sprachsamples und Dub sowie Ambientflächen; später lässt Rapper Master D seine aufstachelnden politischen Parolen vom Stapel: "A bullet to his head won´t bring back the dead, but it´ll lift the spirit of my people". In Bezug auf ihr von den Briten unterdrücktes Volk und die tausendfach unschuldig Ermordeten ein Aufwachapell. Klasse aufgebaut, in sich abwechlungsreich, aber nicht überladen. Einer der Höhepunkte des Albums gleich zu Beginn.
Ebenfalls besonders gelungen: "Free Satpal Ram", in dem die Ungerechtigkeit gegenüber dem wohl unschuldig inhaftierten Satpal Ram propagiert wird.
Einer der mitreißendsten Tracks des Genres überhaupt und nebenbei noch 100% tanzbar. Lediglich der schwache Mittelteil in dem die Geschichte des Songs erzählt wird, überzeugt nicht ganz - dieser klingt nach einem schlechtem Kompromiss, die komplette Story in möglichst kurzer Zeit unterzubringen.

Auf jeden Fall erwähnenswert ist ferner das mit Gastsängerin Catalisa (die Klassearbeit geleistet hat) aufgenommene Emanzipationslied "Modern Apprentice". Ziemlich relaxt und mit hübscher asiatischer Flötenlinie aufgepeppt, könnte es etwas ruhiger auch als Chillout-Track dienen, wofür aber der dubbige Beat dann doch noch etwas zu schnell ist.

Insgesamt sind die Texte glücklicherweise optimistischer gehalten, als bei so manch radikaleren Bands gleicher Richtung, was besonders schön bei "Change" (mit vereinten Kräften lässt sich einiges ändern), oder beim fantastischen "Black White" zu lesen ist. Letzteres steht dem Rassenproblem zwar realistisch aber auch mit eben diesem Optimismus gegenüber: "Black and White will be united".

Gegen Ende des Albums reißt der Strom an fantastischen Liedern leider ab. Das instrumentale "Loot" ist eher einfallslos geraten, zudem mit 5 Minuten viel zu lang, auch aus "Dub Mentality" hätte man mehr machen können, hier ist die Einleitung zu lang(weilig) geworden. Dabei ist doch die Violinenmelodie und der Beat so gelungen.
"Culture Move" schlägt dann doch noch aus der Reihe, wieder ein hervorragend tanzbarer Gute-Laune-Track, auch textlich interessant, diese "Friede zwischen den Völkern" Idee mal mehr aus dem musikalischen heraus betrachtet (wahrscheinlich in Anlehnung an die Workshops).

Das abschliessende R.A.F.I. ist für mich dann doch eher im negativen Sinne einschläfernd und einer der Gründe für die Verweigerung des Klassikerstatus, ein anderer und der eminentere ist der, dass viele Ideen (besonders textlich leider) sehr gut sind, aber die Beschäftigung tiefer gehen könnte.
Musikalisch zwar meistens homogen, aber manchmal auch überlastet, etwas bessere Produktion täte hier gut, wahrscheinlich auch aus diesem Grunde remastered.
Deswegen meine ausgesprochene Empfehlung an alle Leute, die musikalisch offen sind und neues antesten wollen, dabei gleichzeitig politisch interessiert sind.

Das Album dürfte aber auch die Meisten ansprechen, die ein gutes Party-Album erwarten, wer auf die Beastie Boys steht und sich das mit Dub und Punk angehaucht vorstellen kann, der kann ruhig zugreifen!


Ähnlich:
Dub War, Dub Syndicate, Anima Sound System, Transglobal Underground, Fun´Da`Mental, Bad Brains

16.03.2005
stativision (Tobias Goris)


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!