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art brut - bang bang rock & roll


Erscheinungsjahr: 2005
Label: banana / fierce panda
Tracks: 12
Spielzeit: 32:26
Genre: punk
Subgenre: british d.i.y. art punk
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Bewertung: 7/10

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Der Plattentitel sagt schon alles aus: Bang Bang Rock and Roll. Art Brut knallt, Art Brut rockt und Art Brut rollt. Alles auf ihrem Debütalbum. Erzählen uns, dass sie eine Band gegründet haben und mit ihrer Musik Israel und Palästina zum Händchen halten bringen werden ("Formed a band"). Ferner wissen wir jetzt, dass der Bruder des Sängers mit 22 Jahren den Rock'n'Roll entdeckt hat, außer Kontrolle ist und jetzt Tapes mit Bootlegs und B-Seiten verteilt ("My little brother"). Wir werden konfrontiert mit Tagebuchlyrik von guten und schlechten Wochenenden ("Good Weekend", "Bad Weekend"). Und sind nachher schlauer, denn in "Modern Art" wird uns erklärt, dass das Pompidou in Paris seinen Platz hat. Und trotz aller modernen Kunst sind Art Brut auch ein wenig von gestern: Am Schluss ("18.000 Lira")wird in Lire abgerechnet. Oder spielt der Song gar in der Türkei? Eher nicht. Jedenfalls kombinieren die Texte von Art Brut eine eigenartig abgebrühte Naivität, Straßenpoesie (The Streets lassen grüßen) und hochklassige Selbstironie, mit der sie es locker in sämtliche Feuilletons geschafft haben. Es sei ihnen gegönnt. Schließlich stimmt auch die Musik dazu. Lange ist mir nichts derartig erfrischend selbstverständlich rotziges zu Ohren gekommen. Das soll nicht heißen, dass Art Brut einen schlechten Sound hätten, oder nicht zusammen spielen könnten, oder eine Geschwindigkeitsorgie zelebrieren würden. Sie spielen schlich all diese stinkeinfachen Akkorde, Rhythmen und Melodien, manchmal auch ein wenig angeschrägt, wie in "Modern Art", auf die man eigentlich selbst hätte kommen können. "Formed a Band". Do It Yourself Punk eben. Ursprünglich und schweißgetränkt. Und dabei gar nicht muffig. Zwar erinnern die Briten (die eine deutsche Bassistin und einen bayrischen Drummer haben) oft entweder an The Clash, The Fall oder Television, aber das alles wird mit so viel Attitüde in die heutige Zeit transportiert, dass man leicht darüber hinwegsehen kann.

Und erst diese Hits. Das mit den "Top of the Pops" im Opener "Formed a band" mag nicht ernst gemeint sein - "My little Brother", "Moving to L.A.", "Good Weekend", "Emily Kane" und das sogar leicht pathetische "Rusted Guns of Milan" könnte man sich leicht als Nummer 1-Single vorstellen. Das ist in etwa die Hitquote, die auch Franz Ferdinand und Maximo Park vorzuweisen haben. Und Art Brut haben ein ähnliches Problem wie Erstere: Sie sind bei aller Schläue und Songschreiberqualitäten doch recht eindimensional. Mehr als mal mehr Richtung Surfpop abriften ("Emily Kane", "Good Weekend", "Moving to L.A.") und das Tempo hoch ("Formed a band", "18.000 Lira") oder runter ("Stand Down", "Rusted Guns of Milan") drehen geht hier nicht. Bei kaum über 30 Minuten und zwölf Songs fällt das zunächst noch nicht besonders negativ auf, aber nach den ersten Dutzend Hördurchgängen macht sich irgendwann doch Langeweile breit und man bleibt bei den oben genannten Hits hängen. Für ein Debüt natürlich trotzdem alles andere als mittelmäßig, insbesondere in Kombination mit dem erfrischenden Auftreten und den tollen Sprüchen.

Das Booklet ist übrigens kein Booklet, sondern ein Poster zum Selber Malen (nach Zahlen). Do it yourself eben. Form a band.


Ähnlich:
The Fall, The Clash, Pixies, Television, Rolling Stones, Wire, Ikara Colt, Gang of Four, Sex Pistols, The Streets, Pulp, Maximo Park, Blur

15.08.2005
stativision (Tobias Goris)


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!