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adversus - einer nacht gewesenes


Erscheinungsjahr: 2005
Label: sonorium
Tracks: 17
Spielzeit: 77:51
Genre: alternative
Subgenre: bombast gothic/electro
adversus_einer_nacht.jpg
Bewertung: 4/10

rating

Oh edler Bombast, wer labt sich an dir? Der werte Herr Rosendorn geht offenbar nach der Devise "Mehr ist mehr" vor. Electrobeats bilden die (nicht selten total unpassende) Grundlage, darüber türmen sich die Klangwolken nur so. Keyboards spucken ganze barocke Streichorchester aus, merkwürdige Samples tummeln sich in den Ecken, E-Gitarren sollen stellenweise für kernigere Härte sorgen, der Synthesizer braut sein ganz eigenes Gemisch aus Tönen zusammen, irgendwo bläst eine Klarinette und ein Dudelsack, woanders fiedelt eine Violine und darüber, in den Vordergrund gemischt, gibt das Männlein mit krächziger oder alberner Bariton-Stimme und das Weiblein mit Operettengesang deutschsprachige Gedichte zum Besten, die irgendwo in den Untiefen der Romantik die Jahrhunderte verschlummert zu haben scheinen und jetzt verzweifelt Anschluss in der modernen Welt suchen, aber nicht finden.

In "Einer Nacht Gewesenes" steckt offensichtlich viel Arbeit. Das geht los bei der Aufmachung der CD, die im DVD-Format und mit 24-seitigen, von Rosendorn selbst bebilderten Booklet (das ich mangels Vorlage nicht besprechen kann) ausgeliefert wird und hört bei den fast 78 Minuten Musik, in 17 Tracks unterteilt, auf. Das ist sicher ambitioniert, wahrscheinlicher noch aber überambitioniert. Das Ding scheitert kläglich am hohen Anspruch, der mit allen Mitteln erreicht werden will. Dabei werden die wenigen, aber unzweifelhaft vorhandenen guten Melodien und Arrangements in Wolken von kitschigem Kinderkram vergraben und damit nahezu zunichte gemacht. Vielleicht ist das sogar das tiefere Konzept von Adversus/Rosendorn, wer weiß das schon so genau. Ich jedenfalls kann den Sinn davon nicht erkennen, wenn eine gelungene Dudelsackmelodie von einfallslosen Elektroknatterbeats übermalt wird oder das Klavier in "Spinnenbein und Falkenherz" von anspringend kitschiger Fantasy-Schmock-Soundtrackmusik zugekleistert wird. Am schrecklichsten sind aber meistens die Kreisch- und Gesangversuche von Rosendorn, der laut Homepage sowohl zu wahrhaft krankem Black Metal Gekreische als auch zu Folkgesang fähig sein soll. Ersteres äußert sich in einem lächerlichen Keuchen, das in einer x-beliebigen Hustensaftwerbung besser hinbekommen wird, letzteres klingt wie ein drittklassiger Bariton, der gerade in den Orchestergraben fällt. Glücklicherweise wird das Sangesfeld oft dem weiblichen Teil der Band überlassen, der die Sache zumindest passabel macht.

Zwischen den überinstrumentierten Songs gibt es auch mal eine Verschnaufpause in Form von zurückhaltenderen Gedichtvorträgen, die zwar kitschig, aber halbwegs erträglich sind, gerade weil sie sich musikalisch etwas zurücknehmen. Besser noch sind die instrumentalen Zwischenstücke wie "Stille atmet leise Nacht" und "Ein Sehnen", bei denen man ahnen kann, was aus dem Album hätte werden können, wenn der musikalische Größenwahn ausgebremst worden wäre.
Die Punktzahl bezieht sich also in erster Linie auf die bestimmt harte Arbeit, die in dem Album steckt.


Wer sich mit Zeilen wie "Bin ich allein auf den unergründlich hallenden Straßen des Mondlichts" identifizieren kann, sollte schnell zugreifen, genauso wie all diejenigen, die nicht genug kriegen können von Fantasy-Computermucke, die gemischt mit barockem Bombast, schwülstiger Operette und Wave/Elektro-Rock-Geboller serviert wird.

www.adversus.de


Ähnlich:
L'Âme Immortelle, Angizia, Lacrimosa, ASP, Goethes Erben, Qntal, Untoten, Umbra et Imago, Das Ich, Erblast, Sopor Aeternus, Helium Vola, Samsas Traum, Stillste Stund

20.11.2005
stativision (Tobias Goris)


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!